Das Gesetz der Strasse

von Chuck Zito

Buchcover "Das Gesetz der Strasse"

ISBN: 978-3-937542-11-9
Seitenzahl: 384
Ausstattung: Hardcover
Sprache: deutsch
Preis: 21,90 Euro
Veröffentlichungsdatum: 15.5.2014

In den USA ist Chuck mittlerweile eine Celebrity – eine bekannte Persönlichkeit. Und das, obwohl er jahrelang Celebrities als Bodyguard beschützt hat. Er wurde für «Oz» gecastet und seine Darbietung brachte ihm eine eigene Fernsehshow ein. Er gilt als einer der härtesten, kompromisslosesten Männer, die je ihren A… auf einer Harley plattgedrückt haben.

Hier erzählt er seine Geschichte. Seine Kindheit in Brooklyn und der Bronx hat ihn gestählt. Aber jeder kann selbst entscheiden welchen Weg er einschlagen will. Chuck wählte Loyalität und Treue, für seine Freunde da sein, niemanden verraten. Er gehört zu einer aussterbenden Spezies, da er seine hohen Ansprüche eben nicht nur anderen unterjubeln wollte sondern sein Leben danach ausgerichtet hat. Und auch wenn dieser Weg nicht der bequemste ist, Chuck hat alles erreicht.

Einfach war es nicht. Und als Präsident des New Yorker Hells-Angels-Charter gerät man leicht in die Schusslinie. Die Bürokratie wollte ihm die Beine wegschlagen, biss sich jedoch die Zähne aus. Die Großen und Berühmten hielten indes zu ihm. Das nennt man Respekt und Vertrauen. Wer nach der Lektüre des Buches enttäuscht ist, dass er nicht intime Details der behüteten Stars preisgibt, hat nichts verstanden. Mickey Rourke, Liza Minelli und Sly Stallone haben alle für ihn ausgesagt.

Inzwischen hat er seinem Club im Guten den Rücken gekehrt. Die Arbeit für Hollywood verlangt seinen Tribut und er kann seinen Engeln nicht mehr die notwendige Zeit widmen.

Auszüge:

„Im hinteren Teil des Wagens nahm Bert sich einen der Schläger und schwang ihn zur Probe herum (was schwieriger war, als es sich anhört, wenn man bedenkt, dass Bert nur eine Hand hatte; die andere hatte er verloren, als eine Bombe explodierte, die von einem rivalisierenden Club in seinem Briefkasten platziert worden war). ,Spalte ein paar Schädel‘, sagte er. James nickte. Ich konnte sehen, wie nervös er war, vielleicht verängstigt, aber ich hielt das für ganz normal. Denn, ich meine, wenn du jemandem mit einem Baseballschläger auf den Kopf haust, ist es nicht auszuschließen, dass er dabei stirbt. Wir waren hier auf einer ernsthaften Mission, einer mit ernsten, weitreichenden Folgen ... und James war mittendrin. ,Alles in Ordnung?‘, fragte ich. Er sah ein wenig grün um die Nase aus, fast so, als ob er krank werden würde. ,James?‘ ,Mhm?‘ ,Geht das in Ordnung mit dir?‘ Er rieb sich die Augen und stöhnte kurz auf. ,Oh, Mann ...‘ Irgendwas stimmte nicht. Ich hatte schon Leute erlebt, die verängstigt auf drohende Gewalt reagierten – ach was, die meisten Leute reagieren so – aber das hier war anders. James war in einer Weise beunruhigt, die mich vorsichtig werden ließ. Wenn Menschen ausgeraubt und zusammengeschlagen werden, sind sie normalerweise auf Rache aus. Zumindest wollen sie ihr Geld zurück. James sah so aus, als wollte er bloß aus diesem Lieferwagen raus. So schnell wie möglich. ,Rede mit mir, Junge‘, sagte ich. James gab einen langen Seufzer von sich. ,Okay ... es gibt etwas, was ich euch nicht erzählt habe.‘ ,Spuck’s aus.‘ ,Ich bin hier nicht nur einfach so rumgelaufen, ohne was zu wollen.‘ Ich fuhr langsamer. ,Nein?‘ ,Nein. Ich wollte etwas Heroin kaufen.‘ Ich trat auf die Bremse und fuhr den Wagen an die Seite. ,Willst du mich verarschen?‘ James schüttelte seinen Kopf. ,Sorry.‘ Ich schlug aufs Lenkrad. Hinten lachte Bert leise vor sich hin. Ich fand das alles andere als komisch. Ich meine, ich wusste rein gar nichts über diesen Burschen. Ich wollte ihm helfen, weil Pauly sich für ihn verbürgt hatte und weil er mir wie ein guter Kerl vorgekommen war, dem ohne eigenes Verschulden von ein paar Dreckskerlen übel mitgespielt worden war. Ja, er hat sich in der falschen Gegend rumgetrieben, aber mir war weisgemacht worden, dass dafür nichts als seine eigene Dummheit verantwortlich war.

[...]

,Warum willst du dich mit uns anlegen?‘, fragte der Mann, der sich mein Glas gegriffen hatte. ,Wir sind zu dritt, und du bist nur einer.‘ Die anderen standen direkt neben ihm, bereit, beim ersten Anzeichen von Ärger einzusteigen. Ihre Augen waren geweitet, aber glasig; der Blick war mir bei zahllosen Gelegenheiten in zahllosen Kneipen begegnet. Der Blick eines Betrunkenen, der tief in der Scheiße steckt. ,Lass dich davon nicht aufhalten, Kumpel.‘ Das tat er nicht. Aus irgendeinem Grund wollte dieser Kerl sich mit einem Hells Angel prügeln. Ich habe das über die Jahre dutzende Male erlebt – irgendein Großmaul oder eine Gruppe von Angebern fordert einen Vertreter des berüchtigtsten Motorradclubs im Lande heraus, normalerweise weil er zu betrunken oder zu dumm ist (oder beides), um zu verstehen, worauf er sich einlässt oder weil er seiner Freundin oder seinen Kumpels irgendwas beweisen will. Wenn du den Totenkopf trägst, bist du so etwas wie der Revolverheld im Western: Die meisten machen sich deinetwegen vor Angst in die Hose, aber ein paar, die Idioten, kommen extra zu dir, um ihre Courage und Männlichkeit zu beweisen. Das Arschloch machte einen großen, ungelenken Schritt auf mich zu und holte zu einem langen, ungestümen Schwinger aus, der wohl in Richtung meines Kopfes gehen sollte. Ich musste dem Schlag nicht mal ausweichen – er verfehlte mich um gut 60 Zentimeter. Ich verlagerte mein Gewicht, ließ meine Schulter etwas sinken und versetzte ihm eine harte Rechte. Sein Gewicht nahm mir die meiste Arbeit ab, es trug ihn direkt in meine Faust hinein. Er war K.o., bevor er auf dem Boden lag.“

[...]

Sandy Alexander war Stuntman und verschaffte mir 1979 meinen ersten Job in Hollywood: als Statist in dem Bikerfilm «Dead Ringer», in dem Meat Loaf und Cher ein ungleiches Paar spielten. Zu dieser Zeit war Meat Loaf ein Gigant (im wörtlichen und im übertragenen Sinne) – seine Platte «Bat Out of Hell» hatte sich millionenfach verkauft – also kam natürlich jemand auf die Idee, ihn zum Filmstar zu machen. Er spielte den Anführer einer Gang. Sandy rekrutierte 18 Jungs aus dem Club, die die Biker spielen sollten, und unser Job bestand daraus, auf dem Motorrad hinter Meat Loaf herzufahren. Es war irgendwie chaotisch, denn er konnte nicht Motorrad fahren, also setzten sie ihn samt Bike auf einen Anhänger. Im Film sah man Meat Loaf in Großaufnahme, seine langen Haare wehten im Wind, ein Lächeln im Gesicht, als ob er fürs Motorradfahren geboren wurde. Aber er hatte keine Ahnung! Er saß einfach nur da. Wenn der Regisseur Meat Loaf in der Totalen haben wollte und man ihn auf dem Highway fahren sehen sollte, wurde ein Stuntdouble eingesetzt. Diese Rolle wurde von einem Hells Angel namens Don Picard übernommen, einem breiteren Publikum als Skeets bekannt.

[...]

Tragen Sie sich mit dem Gedanken, das Gesetz zu brechen? Führen Sie ein Leben, dass Sie möglicherweise in ein Bezirksgefängnis, oder schlimmer: ins Staats- oder Bundesgefängnis bringt? Suchen Sie nach ein paar guten Ratschlägen, wie Sie da drinnen über die Runden kommen? Wie man gefahrlos mir Zuhältern und Raubtieren und Huren verhandelt? Also, hier ist Tipp Nummer eins: Lassen Sie sich nicht verhaften! Alle anderen Ratschläge sind ganz unwichtig denn wenn Sie erst einmal verhaftet sind und ihre lange Fahrt in die Hölle angetreten haben, sind Sie auf sich allein gestellt. Ich würde Ihnen gerne erzählen, dass das Gefängnis in Wirklichkeit gar nicht so schlimm ist. Ich würde Ihnen auch gerne erzählen, dass meine erste Reaktion beim Betreten des MCC zutraf: Amerikanische Haft ist leichte Haft. Aber das wäre eine Lüge. In einem japanischen Gefängnis ist das Leben einsam, langweilig und streng. In einem amerikanischen Knast ist es barbarisch. Es ist tatsächlich genauso grauenhaft, wie Sie es sich möglicherweise vorstellen: keine Privatsphäre, widerliches Essen, die Schwachen werden bei jeder sich bietenden Gelegenheit fertig gemacht. Es ist so, wie am Anfang der Highschool – nur sehr viel gewalttätiger. Um die Wahrheit zu sagen: Ich würde das nicht mal meinem schlimmsten Feind wünschen.“