Vor wenigen Respekt, vor nichts Angst!

Ein Leben als Mongol

von Ruben „Doc“ Cavazos

Buckcover "Vor wenigen Respekt, vor nichts Angst! - Ein Leben als Mongol"

ISBN: 978-3-937542-04-1
Seitenzahl: 226
Bilder: 20
Ausstattung: Hardcover
Sprache: deutsch
Preis: 19,90 Euro
Veröffentlichungsdatum: Februar 2011

Aus dem Buch:

  • Titelseite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorbemerkung

Tagsüber in der Radiologie des Medical Centers der University of South California tätig, abends ein Mongol - Und als dieser war Ruben als “Doc” bekannt und gefürchtet. Er katapultierte sich bis an die Spitze der Mongols, war internationaler Präsident und die Mongols unter seinem Einfluss der am schnellsten wachsende Club Amerikas. Die Geschichte der Mongols führte aber auch dazu, dass sie der am besten überwachte Club Amerikas sind.
Ruben gibt ein Statemant ab, was der Club sein will und wie er sich entwickeln muss, um zu überleben: Keine Drogen, keine sinnlose Gewalt, keine Misshandlung von Frauen. Darüber hinaus macht er deutlich, dass der Club nicht das verlieren darf, weshalb er gefürchtet ist: Sich nichts gefallen lassen und immer gegenhalten. Der Club gewann den Krieg mit den Hells Angels, der Club widerstand der mexikanischen und ukrainischen Mafia und er wird den Kampf mit der Obrigkeit überstehen, obwohl sie der gefährlichste Feind ist.
Das Leben eines Mongols ist der Kampf ums Überleben, das Buch die Geschichte eines sozial benachteiligten Latinos, der die Gesetze der Straße absorbiert hat.

Auszüge:

„Am Morgen des 19. Mai 2004 wurde ich gegen sieben Uhr morgens von einer Explosion geweckt. Nach einem anstrengenden Dienst als Röntgentechniker war ich in mein Haus in Pico Rivera östlich von Los Angeles gefahren und gerade erst eingeschlafen, als ein lauter Knall die Fenster klirren und das Haus erzittern ließ. Ich richtete mich im Bett auf und fluchte vor mich hin, weil ich annahm, dass irgendwo im Haus eine Gasleitung leck war und die Explosion ausgelöst hatte. Hastig zog ich mir etwas über und nahm die Treppe zum Erdgeschoss, nicht ohne meinem Sohn vorher zu signalisieren, dass er in seinem Zimmer im Obergeschoss bleiben solle. Ich wusste nicht, ob unten ein Feuer oder was auch immer auf mich  wartete. Das Geräusch war von der Straßenseite gekommen, also ging ich zur Eingangstür und öffnete sie, um herauszufinden, was eigentlich los war.
Als Erstes sah ich ein gutes Dutzend roter Punkte, die über meine Brust flackerten. Dann fiel mein Blick auf die Ansammlung von Streifenwagen, die schräg auf dem Bürgersteig abgestellt waren und mit Pistolen und Gewehren bewaffneten Beamten Deckung boten. Die roten Punkte auf meiner Brust stammten von den Lasern der Zielvorrichtungen ihrer Waffen. Ich zeigte ihnen den Mittelfinger und schlug die Tür wieder zu.

[...]

Der Kampf endete so plötzlich, wie er begonnen hatte. Sicherlich rechneten die meisten damit, dass die Polizei jeden Moment auftauchen würde. Ich blutete ziemlich stark, aber dachte, es sei ja nur eine kleine Wunde, und daran stirbt man nicht. Mein Bruder Al musste irgendwie Wind von der Schlägerei bekommen haben, denn unversehens tauchte er mit seinem Chevrolet Monte Carlo auf, den er erst vor Kurzem gekauft hatte. Huero sagte zu mir: ,Wir bringen dich ins Krankenhaus‘, und ich erwidert, dass alles halb so schlimm sei. Doch Huero ließ sich nicht abwimmeln. Zum Glück war er größer als ich. Er packte mich und verfrachtete mich auf den Beifahrersitz. Dann setzte er sich auf den Rücksitz, mein Bruder klemmte sich hinters Steuer, und los ging’s.
Inzwischen war mein Pullover mit Blut durchtränkt und drohte, das Polster des Beifahrersitzes zu ruinieren. Das wäre mir ausgesprochen unangenehm gewesen. Das Blut quoll förmlich aus mir heraus, doch meine größte Sorge galt dem Aussehen des neuen Autos meines Bruders. Also versuchte ich, das Blut mit den Händen aufzufangen und aus dem Fenster zu befördern. Noch immer hatte ich keine Schmerzen. Mittlerweile weiß ich, dass ich unter Schock stand und mein Körper deshalb so reagierte. Der Typ hatte offensichtlich eine Arterie erwischt, und auch wenn ich mir dessen nicht bewusst war, bestand die akute Gefahr, dass ich verblutete.

[...]

Am Morgen des fraglichen Tages traf ich mich mit den anderen Mongols. Zum Glück wusste ich nicht, dass sie durchgefeiert und kein Auge zugemacht hatten. Für mich sahen sie aus wie immer. Ich entdeckte Monster unter ihnen, der ungefähr so groß ist wie ich und verrückt genug, sich auf ein Himmelfahrtskommando einzulassen. ,Hast du deine Kutte dabei?‘ fragte ich.
,Na klar.‘
,Hast du Lust, sie auszführen?‘
,Und ob.‘ Er grinste. ,Was hast du vor?‘
,Ich will mit dir eine Party besuchen.‘
,Na prima. Du bist der Präsident. Ich bin dabei.‘
Ich freute mich, dass Monster so dachte. Dann erklärte ich ihm meinen Plan. An einer Seitenstraße, wo viele Händler standen, stiegen wir aus dem Auto. Ein Grill fiel mir auf. Er bestand aus einem durchgesägten, großen Ölfass und war mit Unmengen von Fleisch bepackt. Mindestens so auffällig war, dass es vor Hells Angels nur so wimmelte. Selbst aus der Ferne waren sie an ihrem rot-weißen Schriftzug zu erkennen. Je weiter wir uns in das Gewimmel vorwagten, desto stiller wurde es um uns herum. Die Menschen blieben stehen und starrten uns schweigend an. Ausgerechnet hier Mongols zu begegnen versetzte sie in ungläubiges Staunen.“

Der Autor:

War bis Ende 2008 internationaler Präsident des Motorradclubs Mongols. Zusammen mit 60 anderen Mongols wurde er Ende 2008 als Ergebnis einer dreijährigen verdeckten Ermittlung mit dem Namen „Operation Black Rain“ verhaftet, bei der sich mehrere Beamte in den Club einschleusten. Er erwartet ohne Kautionshinterlegung im Gefängnis auf sein Verfahren wegen Erpressung.