Männerfreundschaften, Motorräder, Mord

Die Geschichte der Bandidos von Toronto

von Peter Edwards

Buchcover "Männerfreundschaften, Motorräder, Mord"

ISBN: 978-3-937542-06-5
Seitenzahl: 488
Bilder: 53
Ausstattung: Hardcover
Sprache: deutsch
Preis: 24,90 Euro
Veröffentlichungsdatum: 4.5.2012

Aus dem Buch:

  • Titelseite
  • Zitate
  • Inhaltsverzeichnis
  • Kapitel 1

Wie andere Clubs auch, bezeichneten sich die kanadischen Bandidos gerne als Motorradenthusiasten, die von der Polizei drangsaliert und von der Gesellschaft missverstanden werden. Im Gegensatz zu den Hells Angels, waren die Bandidos jedoch eher unorganisiert und nicht zu deren raffinierten Operationen fähig. Sie konzentrierten sich lieber auf kleine Kämpfe innerhalb ihrer selbst und sabotierten sich gegenseitig. Das Ergebnis hieß Shedden und markierte das vorläufige Ende der kanadischen Bandidos innerhalb einer blutigen Nacht. 

Peter Edwards konzentriert sich aber nicht auf jene Nacht, sonder schreibt in diesem Buch vielmehr die Geschichte der No Surrender Crew, dem Bandidos-Chapter Toronto. Aufgrund ausführlicher Interviews mit Familienangehörigen, Verwandten, Freunden und Bekannten sowie Auswertungen mitgeschnittener Gespräche und den Aussagen von Angeklagten und Zeugen vor Gericht entwirft er Psychogramme der Beteiligten, die wesentlich näher an der Realität angesiedelt sind als die gängigen Klischees von Bikern als kriminelle Individuen und Clubs als organisiertem Verbrechen, denen jede Böswilligkeit zuzumuten ist. 

Auszüge:

Ich halte es für möglich, dass der Empfang nicht sonderlich positiv ausfällt und du besser vor der Tür bleibst“, hatte er gesagt. Später waren sich die anderen uneins darüber, ob die Bemerkung dem Handynetz oder dem Besitzer der Farm gegolten hatte. Sicher ist hingegen, dass Boxers Stimme an diesem Abend, dem die längste – und letzte – Nacht seines Lebens folgen sollte, eigentümlich zitterte.

[...]

Rippers Kontakte in die Bikerszene reichten bis ins Jahr 1960 zurück, als er, noch als Teenager, das Abzeichen der Toronto Wild Ones (dass der Name aus Hollywood stammt, muss nicht eigens betont werden) mit entwarf. Damals diente den Wild Ones Rippers Wohnung in der Sorauren Avenue in Toronto als Clubhaus. Irgendwo auf seinem Körper, inmitten diverser Tattoos, befand sich noch eine Narbe, die an eine Schießerei erinnerte, in die er als Mitglied von Jack Sombreros Black Diamond Riders verwickelt wurde. Vorausgegangen war der Versuch der BDR, das Clubhaus der Canadian Lancers (ein Motorradclub, der bei der Wahl des Namens wenig Fortune bewiesen hatten) zu stürmen. Doch genau wie der Fat Mexican, den er später auf dem Rücken trug, war die Narbe etwas, das ihn mit Genugtuung und Stolz erfüllte.

[...]

Erster Ansprechpartner der Hells Angels in Toronto war Dany Kane von den Rockers, einem Supporter Club der Hells Angels. Doch parallel dazu arbeitete Kane auch für die Polizei, und in den Protokollen aus dem entsprechenden Monat findet sich auch die Behauptung, dass Wolf Carroll ihn beauftragt habe, zwei Mitglieder der Loners zu ermorden, die als Anführer des Clubs galten. (Die Namen gab er mit Jimmy und Peter an, und es kann kein Zweifel daran bestehen, dass damit Raso und Pepe Barilla gemeint waren.) Kane erhielt Fotos der Zielpersonen und besuchte ein ehemaliges Mitglied der Loners, das sich den Para-Dice Riders angeschlossen hatte. Kurz darauf ließ Kane die Polizei wissen, dass Carroll den Mordauftrag zurückgezogen hatte, weil zu viele Leute davon Wind bekommen hatten.

[...]

Zur Feier der Aufnahme bei den Loners veranstaltete Kellestine auf seiner Farm ein großes Fest mit Spanferkel vom Grill, Livemusik und über 100 Gästen. […] Kaum war Glenn ,Wrongway‘ Atkinson eingetroffen, führte Kellestine ihn zu einem Schuppen neben der Scheune und öffnete eine Kiste, in der er eine beträchtliche Anzahl an automatischen Waffen aufbewahrte. Doch Atkinson war eher befremdet als beeindruckt. ,Du bist ziemlich leichtsinnig‘, sagte er barsch. ,Du kennst mich doch kaum.‘ […] ,Vielleicht arbeite ich ja für die Bullen.‘ ,Du bist mein Bruder‘, erwiderte Weiner Kellestine gekränkt. ,Ich gehe davon aus, dass ich dir vertrauen kann.‘ Auf dem Heimweg drehte sich Atkinson zu seinem Begleiter und fragte: ,Kannst du mir erklären, warum wir solche Typen anlocken?‘“

Der Autor:

Peter Edwards ist Kriminalreporter beim Toronto Star und hat mehrere Bücher verfaßt. Viermal ist er für den Arthur-Ellis-Preis nominiert worden und hat an einer Serie über organisierte Kriminalität im History Television mitgewirkt.