Ermittlung auf zwei Rädern

Die wahre Geschichte des verdeckten Ermittlers, der sich in die brutalste Motorradgang Amerikas einschleuste

Von William Queen

Buchcover "Ermittlung auf zwei Rädern"

ISBN: 978-3-937542-01-0

Seitenzahl: 224

Bilder: 22

Ausstattung: Softcover

Preis: 17,90 Euro

Veröffentlichungsdatum: 1.6.08

Aus dem Buch:

Titelseite

1998 war William Queen schon ein Veteran als ATF-Agent, der Motorräder liebte und Papierkram hasste. Das Angebot einer Informantin, einen verdeckten Ermittler in einen der gefährlichsten Bikerclubs Nordamerikas zu schleusen, kam gerade recht. Queen überlegte nicht lange und griff zu. Er konnte nicht ahnen, daß es die aufwändigste Ermittlung gegen einen Motorradclub in der Geschichte der Vereinigten Staaten werden würde.

Als Billy St. John schaffte er es, ein Vollmitglied zu werden und geriet mehr und mehr in einen psychologischen Zwiespalt: Keine Frage, die Mongols mochten Billy und würden jederzeit für ihn in den Tod gehen. Aber William würden sie ohne mit der Wimper zu zucken töten. Und er fand bei den Mongols Kameradschaft, die er das letzte Mal im Vietnam-Krieg erlebte und die in seiner Behördenlaufbahn ausgeschlossen zu sein scheint.

«Ermittlung auf zwei Rädern» ist eine rasante Fahrt durch die Biker-Subszene mit all ihren Widersprüchen, Liebenswürdigkeiten und Schattenseiten.

Auszüge:

Als Anwärter ist man ein Sklave und Eigentum des Clubs. Man muss tun, was einem befohlen wird: Drogen und Waffen besorgen oder einem Mitglied den Hintern abwischen. Einige beließen es bei Anweisungen wie ,Hol mir ein Bier‘, ,Zünd mir eine Zigarette an‘ oder ,Putz mein Motorrad‘. Andere wiederum, Typen wie Red Dog, genossen es regelrecht, einem Anwärter das Leben zur Hölle zu machen.  

Bis in den inneren Zirkel der Mongols vorzudringen war ein riskantes Unterfangen. Das ATF hielt den Motorradclub Mongols für die brutalste Motorradgang der USA, eine verschworene Gemeinschaft durchgeknallter, unberechenbarer und skrupelloser Krawallmacher. Mit 350 Vollmitgliedern war die Bande zwar wesentlich kleiner als die verhassten Rivalen Hells Angels, dafür war ihr Anteil am angerichteten Schaden seit der Gründung in den frühen Siebzigern überproportional.

[…]

Die Beerdigung lag einige Tage zurück, und seither hatte ich diverse Kollegen getroffen. Doch keiner, nicht einmal Ciccone, hatte mir kondoliert. Niemand aus dem gesamten ATF hatte mir eine Beileidskarte geschickt oder sonst irgendwie zu erkennen gegeben, dass er an mich dachte. So bestätigte sich der Eindruck, der mich schon seit geraumer Zeit bedrückte: Für meinen Arbeitgeber und die Kollegen war Billy Queen kein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern der Inhaber des Dienstausweises mit der Nummer 489.

Der Gedanke hatte etwas ins Wanken gebracht: meine Überzeugungen. Plötzlich fühlte ich mich wie ein Verräter. Als wir in Evels Wohnzimmer standen, war ich kurz davor, auf die Knie zu fallen und ihm die verdammte Wahrheit zu gestehen: dass mein Auftrag lautete, ihn hinter Gitter zu bringen.

[…]

Dass meine erste Aussage in diesem Prozess stattfinden sollte, kam mir sehr gelegen. Denn da ich Junior kaum kannte, fiel es mir auch nicht schwer, ihm gegenüberzutreten. Zudem war er ein brutaler und notorischer Verbrecher, der unbedingt hinter Gitter gehörte.

Bei anderen Verfahren nagten jedoch schwere Gewissensbisse an mir, die sich im Laufe der Jahre zu Höllenqualen auswuchsen. Die Tage, an denen ich vor Gericht erscheinen musste, hasste ich bald so sehr wie die Wochen und Monate als Anwärter. […] Während im Gerichtssaal der Prozess seinen Lauf nahm, saß ich in einem streng bewachten Raum und wartete darauf, dass ich in den Zeugenstand gerufen wurde. Der Gedanke, Evel gegenübertreten zu müssen, ließ mich wie im Vorhof zur Hölle fühlen. […] Wie sehr hätte ich mir in diesem Augenblick gewünscht, ein normaler Polizist wie Zack zu sein, für den es nur Schwarz und Weiß, Gut und Böse gab. […] Die staatlichen Behörden konnten und mussten sie daran hindern, mit Drogen und Waffen zu handeln, andere Menschen zur erpressen, auszurauben, sie zu überfallen oder gar zu töten. Aber was sich der Gerichtsbarkeit entzog und eher vorbildlich als verwerflich war, das war der unbedingte Zusammenhalt der Gruppe. Und der war stärker als jede Blutsverwandtschaft und auch als jede Droge.“

Der Autor:

William Queen hat 20 Jahre als Special Agent für das Amt für Alkohol, Tabak und Schusswaffen gearbeitet, einer Unterbehörde des US-amerikanischen Finanzministeriums. Während seiner Laufbahn arbeitete er widerholt als verdeckter Ermittler und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Zuvor diente er bei der U.S. Army und kämpfte unter anderem in Vietnam. Nach seiner Militärzeit widmete sich Queen ausschließlich seiner Arbeit als Vertreter der Bundesbehörden. Für seinen erfolgreichen Einsatz als „Billy St. John“ wurde er unter anderem vom Justizministerium, der Bundesanwaltskammer und dem ATF ausgezeichnet.